Ein Tourenleiter erzählt...

Christian.Bermes

Interview mit Christian Bermes, Tourenleiter Winter und Sommer

Eine schöne Tour macht uns allen viel Spass und bleibt lange in guter Erinnerung. Da ist es egal, ob wir unter einer „schönen Tour“ eine Wanderung mit Aussicht, eine rassige Skiabfahrt oder einen tollen Ausflug mit den Kindern beim Familienbergsteigen verstehen. Jedes Jahr bieten unsere Tourenleiterinnen und –leiter viele abwechslungsreiche Touren und Anlässe an. Damit dies so bleibt oder wir das Tourenangebot sogar noch weiter ausbauen können, freuen wir uns über weitere TL in allen Disziplinen. Ein paar Gedanken, zum Tourenleiterleben...

Christian hat Jahrgang 1980, arbeitet als Professor im Maschinenbau an der Hochschule für Technik Rapperswil und ist in unserer Sektion TL Winter seit 2011 und TL Sommer seit 2012. 2014 hat er die anspruchsvollen Ausbildungen zum Leiter 2 Winter und Sommer erfolgreich absolviert. Seine - noch offene – Traumtour ist die Schreckhorn-Lauteraarhorn-Überschreitung.

 

Christian, was war der Auslöser, der deinen Wunsch weckte, TL zu werden, und wie bist du anschliessend vorgegangen?
Früher war ich viel mit Freunden als 'Gast' unterwegs und wusste nach der Tour teils nicht mehr, wie unser Gipfel hiess. Lustigerweise war ich nie als Teilnehmer auf einer SAC-Sektionstour. Tourenleiter waren für mich ziemlich abstrakte und leistungsmässig unerreichbare Wesen. Letztlich wollte ich erstens unabhängig in den Bergen werden und zweitens anderen eine gute Zeit bereiten bei etwas, das mir selber extrem Freude macht. Beim Dienstagsklettern mit Simone Flechsig habe ich sie sehr schnell gefragt, was man denn alles bräuchte, um TL zu werden. Die Sektion war damals auf der Suche nach neuen TL, und so war ich kurze Zeit später an den Ausbildungskursen angemeldet. Der Erfüllung meines Traumes plötzlich so nah zu sein, hat mich enorm motiviert, aber auch nervös gemacht.

Wie hast du die TL-Kurse erlebt?
Die Leiterkurse sind grossartig und für mich besondere Erlebnisse. In einer Woche hast du die Chance, sehr viel auszuprobieren und bei dir und anderen zu sehen, was funktioniert und was nicht. Du erhältst viele wertvolle Feedbacks von Bergführern und Kursteilnehmern. Ausserdem lernst du die Tourengebiete, in welchen die Ausbildungen stattfinden, sehr gut kennen. Bei mir waren das Val Bedretto, Orny, Jungfrau sowie Baltschieder. Und du erhältst eine top Bergsteigerausbildung.

Nach dem Kurs hast du noch Weiterbildungen besucht. Welche und weshalb?
Bisher habe ich die Weiterbildungen der Sektion anfangs Winter besucht. Das sind immer hervorragende Refresher zum Thema Lawinen, so dass ich mit den neusten Erkenntnissen versehen in die Saison starten kann.

Was schätzt du daran, Tourenleiter zu sein?
Ich schätze es, interessante Menschen kennenzulernen und mit ihnen meine Leidenschaft zu leben. Es freut mich, wenn wir gemeinsam einen tollen Tag am Berg haben. Und: Ich schätze den enormen Rückhalt durch unsere Tourenchefs, die immer für uns TL da sind, uns den Rücken freihalten und das Tourenwesen unserer Sektion mit guten Ideen voranbringen.

Wie bereitest du dich auf Touren vor und wie gewährst du die Sicherheit der Teilnehmenden sowie deine eigene?
Ich leite nur Touren, die ich privat schon mal gemacht habe. Die Detailplanung mache ich mit den SAC-Planungsformularen, hervorragende Checklisten auch für private Touren. Diese kann man von der SAC-Webseite herunterladen. Meinen Teilnehmern schreibe ich eine Infomail, damit sie sich die Tour schon vorstellen können. Ich halte mich körperlich und ausbildungsmässig fit. Auf Sektionstouren entscheide ich defensiv und setze grundsätzlich ein Limit bei sechs oder teils noch weniger Teilnehmenden. Für schwierigere Touren suche ich mir einen Co-Leiter.

Was ist die grösste Herausforderung?
Teilnehmende, die ich nicht kenne und die sich nicht kennen, in kurzer Zeit zu einem funktionierenden Team zu formen. Wenn mir das gelingt und wir einen tollen Tag am Berg haben, freut mich das enorm.

Lohnt es sich TL zu werden und was sind deiner Meinung nach Eigenschaften, die man zu einer Ausbildung mitbringen sollte?
Es lohnt sich! Ich geniesse das Vertrauen, das mir meine Teilnehmer entgegenbringen, und ich freue mich, wenn ich meinen Teilnehmern einen schönen und aktiven Tag bereiten kann. All das ist unabhängig von der Tourenart. Meiner Meinung nach wichtige Eigenschaften sind: Man sollte Menschen gern haben und auf sie zugehen können. Man sollte sich selber und andere realistisch einschätzen können und in der Lage sein, sich mentalen Raum zum Leiten zu bewahren.

Was könnte unsere Sektion noch optimieren?
Eine verpflichtende, regelmässige Auffrischung im Umgang mit LVS (Lawinenverschütteten-Suchgerät) – Sonde – Schaufel als Voraussetzung für die Teilnahme an Sektionsskitouren. Für eine seriöse Lawinenausbildung ist aus meiner Sicht auf Skitourenanlässen keine Zeit.

Gibt es generelle Wünsche, die du an die Teilnehmenden richten würdest?
Kommt weiterhin mit mir auf Touren!

 

Wie du Tourenleiterin bzw. Tourenleiter wirst? Lies hier weiter...